Aus dem Aszendenten ergeben sich zwölf Lebensgebiete, die sog. zwölf astrologischen Häuser. Die zwölf Häuser und die
zwölf Sternzeichen sind miteinander verwandt, sie sind aber nicht identisch:
Die Sternzeichen beschreiben Energiezustände und Strategien, Vorgehens- und Sichtweisen.
Die astrologischen Häuser zeigen Lebensgebiete.
Nun hat jeder Planet im Horoskop seinen bestimmten Platz, er steht also in einem der Tierkreiszeichen auf einer
bestimmten Gradzahl und er steht in einem bestimmten Haus.
In einem fiktiven Horoskop steht also beispielsweise Jupiter auf 28 Grad Löwe im zehnten Haus.
Was ist für die Deutung nun wichtiger, die Position des Jupiters im zehnten Haus oder seine Position im Löwen?
Dazu folgendes:
Am gleichen Tag geborene Menschen haben Gemeinsamkeiten, und sie unterscheiden sich.
Das, was gemeinsam ist, zeigt sich astrologisch gesehen in den Merkmalen, die im Laufe des Tages gleich bleiben.
Das Individuelle zeigt sich in dem, was sich im Laufe des Tages verändert.
Was bleibt im Horoskop innerhalb eines Tages gleich?
Die Stellungen der Planeten in den Zeichen. Eine Ausnahme bildet der Mond, er wandert im Laufe eines Tages im Schnitt
etwa 12 Grad (von 360 des Himmelskreises) vorwärts. Aber auch diese zwölf Grad sind im Vergleich mit der
Häuserbewegung (360 Grad innerhalb von 24 Stunden) nur sehr wenig.
(Die Sonne rückt im gleichen Zeitraum etwa ein Grad vorwärts.)
In den Planetenstellungen zeigt sich das Gemeinsame der Menschen, die am gleichen Tag geboren sind.
Was verändert sich an einem Horoskop am schnellsten?
Der Aszendent mit den zugehörigen Häusern.
Der Aszendent wandert zusammen mit dem Hausbild innerhalb von 24 Stunden komplett durch den Tierkreis.
Es ergibt sich zu jeder Zeit des Tages eine spezifische Ausprägung des Hausbildes, die verschieden ist von der
Ausprägung zu einer anderen Zeit.
Zum einen zeigt sich damit die individuelle Ausprägung der Lebensgebiete. Der Aszendent (das Selbst eines Menschen)
und die Häuser „fallen“ (=beginnen) jeweils in bestimmte Zeichen. Dies bedeutet, das das betreffende Lebensgebiet von
der Energie dieses Zeichens gefärbt ist.
Zum anderen nehmen die Planeten im Laufe des Tages durch die Bewegung der Häuser alle möglichen Hauspositionen
ein.
Durch den Aszendent plus Hausbild wird sichtbar, in welchen Lebensgebieten die Energien der Planeten und Zeichen bei
der betreffenden Person gelagert sind. Dies unterscheidet ihn von anderen Menschen, die am gleichen Tag geboren sind.
Zum Vergleich der Häuser und Zeichen mag man typische Charakterzügen von Nationalitäten heranziehen:
Ein typischer Spanier wird feuriger sein als ein typischer Brite. Und auch bei einem feurigen Briten wird zumindest
gelegentlich das typische britische Understatement durchschimmern.
Diese allgemeine Zuordnung der Nationalcharaktere entspricht der Stellung der Planeten in den Zeichen.
Nun findet man aber auch Briten, die feuriger sind als viele Spanier.
Es gibt also natürlich eine individuelle Ausprägung eines Menschen. Sie entspricht dem Hausbild und seiner
Planetenbesetzung.
Worum geht es in der Astrologie?
Um die Individualität eines Menschen. Die allgemeinen Merkmale, die er mit anderen teilt – etwa als typische völkische
Eigenart – interessieren weniger als seine individuellen Eigenarten.
Damit ergibt sich eine klare Gewichtung und Rangordnung der Häuser und Zeichen zueinander:
I) Die Hausposition zeigt, in welchem Lebensgebiet sich ein Planet oder ein Zeichen auswirkt. Diese Hausposition ist stets
vorrangig zu betrachten.
II) Die Zeichenposition des Planeten zeigt dann, mit welcher „Strategie“ oder auch „Energie“ der Planet im jeweiligen
Lebensgebiet agiert.
Häuser symbolisieren Lebensgebiete, Zeichen Energiezustände bzw. Vorgehens – und Sichtweisen.
Ein Beispiel:
Das erste Haus zeigt das Selbst oder „Ich“ einer Person, ihr unmittelbares Agieren und Reagieren.
Eine Venus im ersten Haus etwa läßt auf eine charmante, umgänglich „nette“ Art und Weise des unmittelbaren
Reagierens schließen.
Das vierte Haus zeigt ihre seelischen Bereiche, also Angelegenheiten des Gemüts. Diese sind eng mit der Herkunft, der
Mutter der Person usw. verbunden. Ebenfalls gehören das Heim, die Wohnung der Person zu ihrem vierten Haus, sie sind
eine konkrete Entsprechung des Seelenlebens.
Steht nun die Venus im vierten Haus, so kann man u.a. ein „charmantes“ Heim vermuten.
Die Hausposition eines Planeten zeigt also, um was es eigentlich geht, in welchem Lebensgebiet sich der Planet auswirkt.
Die Zeichenposition zeigt dann, wie dieses eigentliche Thema (der Hausposition) gelebt wird. Die Zeichenposition
kommentiert, auf welche Art und Weise der betreffende Planet agiert.
Eine Venus im ersten Haus im Widder wird z.B. wesentlich direkter als eine Venus im ersten Haus in den Fischen
handeln, und eine Schützevenus im vierten Haus wird einen opulenteren Charme der Wohnung entwickeln als eine
Steinbockvenus.
Diese Aussage aus der Zeichenposition der Venus ist aber wesentlich weniger entscheidend als die aus der Hausposition.
Ob eine Person selbst charmant ist oder ihre Wohnung, ist offensichtlich grundsätzlich wichtiger als die Frage nach der
speziellen Art des Charmes.
(Im übrigen gibt es ein weiteres interessantes Argument zur Betonung der größeren Bedeutung der Häusern gegenüber
den Zeichen:
Es gibt (mindestens?!) zwei Tierkreise.
Einmal den üblicherweise in der westlichen Astrologie benutzten sog. tropischen Tierkreis und zum anderen den
vorwiegend im asiatischen Raum benutzen siderischen Tierkreis. Beide sind derzeit (2003) etwa 24° gegeneinander
verschoben.
Beide Tierkreise „funktionieren“ und erlauben Rückschlüsse auf die Wirklichkeit, geben jedoch – entsprechend ihres
„Entstehens“ bzw. Zustandekommens - verschiedene Blickwinkel der Wirklichkeit frei. (S. auch “Unendlich Rückbezüglich”
im Artikelarchiv dieser website.)
Der tropische Tierkreis entsteht durch das Zusammenspiel von Erde und Sonne, zeigt insofern, welche Art von
Selbstverwirklichung (Sonne) auf der Erde in einer Person angelegt ist. Eine Vision der Seele, welche Art von Erfahrungen
sie machen möchte. Diese Erfahrungen sind damit ein Potential, nicht automatisch schon gelebte Wirklichkeit.
Astrologisch zeigt sich dieses Potential im Aszendenten bzw auf ihm aufbauend.
Der siderische Tierkreis orientiert sich dagegen an tatsächlichen Konstellationen von Gestirnen am Himmel, vereinfacht
ausgedrückt an den Sternzeichen. Damit zeigt sich ein Eingebettetsein in eine übergeordnete Wirklichkeit, weit über Erde
und Sonne hinausgehend, auch wenn diese Wirklichkeit auf die Erde bezogen wird. In ihr ist der individuelle Wille des
Menschen nur ein Teilaspekt unter vielen weiteren. Es kommt eben erstens anders, zweitens als man denkt. Es zeigt sich
die “objektive” Struktur eines Lebens, eine Gesamtheit von Einflüssen, die in ihrer Summe das konkrete Leben ergibt.
Natürlich überlappen sich die Zuständigkeiten der beiden Tierkreise bis zu einem gewissen Grad, zeigen beide die
Seelenneigung wie auch das Eingebettetsein ins Leben, den Rückfluß früher Handlungen usw. Aber sie zeigen dies aus
verschiedenen Blickwinkeln, wodurch jeweils bestimmte Inhalte leichter und direkter erkennbar sind.
Wird das im tropischen Tierkreis erkennbare Potential gelebt, bekommt das Leben Sinn, und über den Rückbezug zum
Allganzen, zur Gesamtheit von allem was ist optimiert sich die “objektive” Struktur eines Lebens. Bildlich gesprochen
könnte man formulieren, daß die Freude der Seele am gelebten Potential in die Schöpfung ausstrahlt und als Schicksal
wiederkommt, als glückliche Fügungen, gleichzeitig Seelenkostüm und körperliche Verfassung und Gesundheit mit
erschafft.
(Die astrologisch-technische Art der Verbindung zwischen den Tierkreisen oder, inhaltlich ausgedrückt, zwischen gelebten
Potential und Optimierung der objektiven Struktur des Lebens ist für mich der interessanteste Bereich der Astrologie
überhaupt.) -
Zurück zu den Häusern:
Trotz der Verschiebung zwischen den beiden Tierkreisen bleiben aber die Häuser im Prinzip gleich. (Ich schreibe „im
Prinzip“ deshalb, da die Astrologistile der beidenm Tierkreise zum Teil auch unterschiedliche Haussysteme benutzen,
wodurch sich leichte Verschiebungen von Hauszuordnungen ergeben können.
Trotz möglicher Verschiebungen aber zeigt sich, das die Hauszuordnung im Vergleich mit der sich immer verschiebenden
Position der Planeten in den Zeichen das Bleibendere, damit das Allgemeingültigere und Wichtigere ist.
Für Anfänger der Astrologie ist bei der Deutung sinnvoll, die Zeichen anfangs völlig außer acht zu lassen und sich nur auf
die Hauspositionen der Planeten zu konzentrieren. Entsprechend verzichte ich bei den Interpretationen in meinen Artikeln
meistens auf die Einbeziehung der Zeichen.
In der westlichen Astrologie werden verschiedene Haussysteme verwendet, z.B. Koch, Placitus usw. In der Münchner
Rhythmenlehre wird ausschließlich das Hausystem nach Placitus verwendet und bringt inhaltlich und bei rhythmischen
Auslösungen hervorragende Ergebnisse. Ich empfehle dieses Haussystem.
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Nun sind die Tierkreiszeichen mit den Häusern verwandt.
Das erste Zeichen, der Widder, entspricht dem ersten Haus,
das zweite Zeichen, der Stier, entspricht dem zweiten Haus usw.
Der Stier etwa steht für aktives Organisieren auf ein Zentrum hin, und für das Abgrenzen des Geordneten von der
Umgebung. Es geht also um konkrete Ordnung bzw. um eine konkrete Ordnungsform.
In der indianischen Astrologie beispielsweise wird der Stier als Biber bezeichnet. Er errichtet geduldig Staudämme und
schafft sich so sein Heim. In der westlichen Astrologie nennt man den Stier das Zeichen der Architekten und Städtebauer.
Dem Gegenpol des Stieres, dem Skorpion, geht es dann um eine saubere geistige Ordnung, also z.B. um stimmige
Leitbilder, Konzepte etc.
Dieses Ordnungsprinzip des Stiers muß aber nicht notwendigerweise mit der Person selbst verknüpft sein.
Das neunte Haus z.B. steht u.a. für Philosophie. Ist das Stierprinzip z.B. mit einem stark ausgeprägtem neunten Haus
verknüpft, so mag es sich um einen Philosophen handeln, der eine sehr „handfeste“ konkrete (Stier-) Philosophie vertritt.
Das Stierprinzip steht also für eine bestimmte Herangehensweise, für eine Art und Weise des Denkens und Handelns,
eben für ein Prinzip, nämlich das der konkreten Ordnung und Zentrierung. Und dieses Stierprinzip kann, je nach dem
Kontext des Horoskops, auf ganz verschiedene Weisen mit einer Person verbunden sein. Wie im eben gebrachten
Beispiel kann es auch eine geistige Ausrichtung anzeigen, es muß also nicht mit der konkreten Sichtbarkeit der Person zu
tun haben.
Das Ordnungs- und Organisationsprinzip des Stieres ist nun mit dem zweitem Haus verwandt.
Im zweiten Haus zeigt sich die Verwurzelung der betreffenden Person in der materiellen Welt.
Dies beinhaltet insbesondere die konkrete Lebensordnung der Person, damit insbesondere ihre finanzielle und
wirtschaftliche Ordnung. Es betrifft aber auch Ernährung, Kleidung, soziale Etablierung und Integration (Ansehen, Status,
Freundeskreis . . .), also generell alles, was mit Sicherheit und Geordnetheit in der konkreten Welt zu tun hat. Weiterhin
beinhaltet das zweite Haus auch Ordnungs- und Organisationsformen, mit der die Person zu tun hat.
Die Verwandtschaft zwischen Stier und Haus zwei ist offenkundig.
Das Stierprinzip der konkreten Ordnung zeigt sich im Stierzeichen einmal als generelle Herangehensweise, im zweiten
Haus als mit der Person verknüpfte Lebensordnung (bzw. auch als durch die Person verwirklichte Ordnungs- und
Organisationsform.)
Hier zeigt sich also die Verbindung wie auch der Unterschied zwischen Zeichen und Häusern. Sie gehen aus einem
Ursprung hervor, zeigen sich dann einmal in den Zeichen als quasi Energie- und Strategiearten, als Handlungsansätze
und in den Häusern als Lebensgebiete des Menschen.
Die Verwandtschaft der Zeichen mit den Häusern ergibt vielfältige Querverbindungen im Horoskop, die die Interpretation
bereichern und verfeinern.
Die wichtigste dieser Querverbindungen ist im Kapitel „Neptun, der grundlegende Wegweiser des Horoskops“
beschrieben.
Häuser und Zeichen, die Tierkreise